Freitag, 20. Juli 2018

Warhammer 40k aus dem 3D Drucker

Im Jahr 2017, im April, hatte ich mich Aaron unterhalten. Er zeigte mir ein Foto und fragte mich ob ich diese Art von Figuren kennen würde. Es waren Figuren aus dem Warhammer 40k Universum von der Firma Gamesworkshop.

Schon als Kind stand ich begeistert von der großen Menge an Packungen von diesen einen Spiel. Das Spiel in dem schwer gepanzerte Ritter mit Laserkanonen und gruselige Monster offenbar ein wichtiger Bestandteil sind und gegeneinander antreten. Das ganze hatte eine mysteriöse spannende Anziehung auf mich. Einen Einstieg in dieses Universum fand ich damals jedoch leider nicht. Meine Eltern waren der Meinung das man diese Figuren nicht kaufen brauche, da ich ja niemanden finden würde um das Spiel spielen zu können. Das klingt hart und das war es auch für mich.

Ein Nerd ohne Nerdumfeld, in dem er es ausleben kann ist nur ein einsamer Nerd mit einem für außenstehende skurril anmutenden Hobby.

Heute (2018) blicke ich auf eine Armee von um die dreißig Warhammer 40k Miniaturen und bin stolz darauf. Nicht nur diese Figuren gebaut und bemalt zu haben, sondern mehr darauf etwas neues angefangen zu haben. Mich aus dem Technikkram heraus bewegt zu haben. Und ja, es ist immer noch Nerdkram. Ich spiele eben kein Mainstream Fußball, für mich seid Ihr die Nerds!

Ich erzählte Aaron damals das mich diese Spiele schon immer fasziniert haben aber auch das ich aus den genannten Gründen noch nicht daran gedacht hatte damit anzufangen. Das ganze geriet bei mir in Vergessenheit.

Wir bestellten kurz entschlossen Farben, Pinsel und Figuren auf eBayEigentlich sogar nur so genannte Bits - Einzelteile aus denen für Miniaturen zusammengebaut werden können. Das alles war alles sehr aufregend!

Wir trafen und am ersten Mai 2017 und bemalten unseren ersten Figuren. Den ganzen Abend und die halbe Nacht. Wir fingen einfach an, ohne Pläne, ohne wirkliches Vorwissen.
Es war sehr spaßig und führte trotzdem zu sehr guten Ergebnissen.

Die folgenden dre Bilder zeigen meine ersten Figuren. Ein Chaosgeneral, ein Kompaniemeister der Dark Angles und mein erster Ork ein Warboss. Das Ergebnis muss man nicht verstecken, auch wenn ich heute einiges anders machen würde.


 Links der Chaosgeneral, in der Mitte der Ork Warboss und rechts der Kompaniemeister

Mittlerweile habe ich mich auf die Rasse der Orks im Warhammer 40k Universum "mehr oder weniger" festgelegt. Orks, speziell die Deathskulls sind aus Sicht der Geschichte des 40k-Spiels heraus Plünderer. Die Fahrzeuge und Ausrüstung sieht in der Regel sehr schrottig aus. Sie verwenden laufende Kampfmaschinen, diverse Flug- und Fahrzeuge und vieles Mehr.

Das ist hier genau der Ansatzpunkt für mich an dem ich am meisten Spaß habe. Nach dem Motto "Nimm dir Teile aus deinem Umfeld und baue etwas damit." kann man sich bei der Gestaltung frei entfalten. Einer meiner Ork-Walker beispielsweise besteht als Basis aus dem Plastik-Ei aus einem Überraschungsei von Kinder. Eine Killa Überraschungskan. Mit zwei Beinen, schwer bewaffnet und einem Fahrer in einer Kanzel sitzend. Von der Idee bis zur Fertigstellung vergingen hier mehrere Wochen. Der Name ist angelehnt an den von Gamesworkshop gewählte Bezeichnung für die kleineren Ork-Walker, den Killa Kans.


Killa Überraschungskan

Den Fortschritt beim Aufbau habe ich auch als Bilderstrecke online gestellt. Einen 3D Drucker habe ich hierbei noch nicht verwendet.


Seit März 2018 bin ich stolzer Besitzer eines 3D Druckers (Creality3D - Ender 2). Ich hätte es nicht gedacht aber das Internet ist voll von Dingen die man sich ausdrucken kann.
 Neben Oster-Dekoration, Halterungen für Steckdosenleisten und Spielzeugschiffen findet man aber auch eine riesige Menge von Modellen rund um das Thema Tabletop.

Die kleinen Figuren im 28mm Standard sind jedoch zu filigran - zumindest für meinen Drucker. Trotzdem sind mir fast die gesamten Figuren die man kostenlos herunterladen kann deutlich zu grob modelliert.

Anders ist das bei den für mich spannenden Modellen, den großen Kriegsmaschinen. Für die bezahlt man bei Gamesworkshop um die 80€ - 100€. Das ist viel Geld. Aber Ausgedruckt kosten sie eben nur wenige Euro-Cent.
Bei den Maschinen kann man sich getrost Modelle herunterladen und direkt ausdrucken. Die LLizenz der Modelle kann man in der Regel direkt auf der Seite nachlesen. Die meisten Modelle unterliegen der Creative Commons - Attribution - Non-Commercial - Share Alike Lizenz. Der Kreativität sind hier nur wenige Grenzen gesetzt. Wenn man eine Idee hat kann man aus dem bestehenden versuchen etwas zu machen.

Und wenn einem ein Modell nicht zu 100% gefällt ist dies auch kein Problem. Es gibt kostenfreie Tools wie Meshmixer mit dem man sehr benutzerfreundlich und ohne große Vorkenntnisse Modelle anpassen kann. Geometrische simple Objekte aneinander modellieren, Teile abschneiden oder die Modelle deformieren ist kein Problem.

Manchmal passiert es das ein Druckstück nicht die nötige Stabilität aufweist. Es sein das zusammengestückelte Modelle mechanisch nicht vollständig miteinander verbunden sind und somit leicht Teile auseinander brechen.

Auch hier kann Meshmixer behilflich sein. Die zu druckenden Modelle kann man automatisch analysieren und reparieren lassen. Zudem kann man die miteinander kombinierten Modelle automatisch zu soliden Stücken zusammensetzen lassen.

Aber Vorsicht die Rechenzeit kann bei Einstellungen auf maximaler Qualität extpotentiell ansteigen und zur Lebenszeit nicht fertiggestellt werden. Tatsächlich ist hier ein gesundes Maß zwischen Qualität und Sparsamkeit an Polygonen abzuwägen. Es Zählt schlussendlich die Erfahrung mit der Software und das Gefallen des Objektes.
 
Leider ist Meshmixer nicht optimal implementiert. So wird leider viel zu oft nur ein Prozessorkern für die Berechnungen ausgenutzt, und die Grafikkarte wird nur für die Anzeige belastet. Das kann dann schonmal länger dauert.

Vor einigen Wochen habe ich mir vor einiger Zeit die Mühe gemacht einen sogenannten Gorkanaut/Morkanaut nachzubauen. Ein großer schwerer und auch schwer gepanzerter Ork-Walker der auch zum Transport von Einheiten verwendet werden kann. Die meisten Teile sind mit dem Drucker ausgedruckt. 
Ich habe neben den Druckstücken noch Holz, einen Ork Boy von Gamesworkshop aus W40k und diverse andere Materialien sowie gelochte Metallbleche verwendet. Da er im Vergleich zu den originalen Modellen doch deutlich wuchtiger ist und definitiv mehr Dakka (Bewaffnung/Feuerkraft) besitzt - in MegaNaut umbenannt. Den Prefix "Mega" an eine Ork-Figur oder ein Ork-Gerät voranzustellen ist nichts unübliches. So gibt es Megastompa, Meganobz und einiges mehr. Eine kleine Photostrecke zum Fortschritt an der Miniatur gibt es hier zu sehen.


Für den Aufbau des Meganaut habe ich mehr als einen Monat gebraucht. Nicht an reiner Druck- / Bastel- oder Bemal-Zeit aber zumindest an Laufzeit. An dem originalen Modell von Thingiverse habe ich einiges geändert. Dabei habe ich fast ausschließlich Meshmixer verwendet. Die Druckzeit betrug in etwa 24 Stunden. Und ich habe etwa eine halbe Rolle (1kg) Filament verbraucht. Da ging auch einiges schief und zu bruch. Das gute dabei ist das das PLA-Material simpel zu verarbeiten und zu kleben ist. Da kann man einiges korrigieren.

Die Files für den Drucker dazu habe ich hier hochgeladen.
Im Repository finden sich auch die Informationen zu den anderen Projekten welche ich zusätzlich verwendet und angepasst habe. Im Grunde habe ich mich beim Aufbau an allem bedient was mir optisch gefallen hat und auch simpel zu verändern gewesen ist.

Zum Ablauf wie ich dabei vorgegangen bin gibt es einiges zu berichten wobei ich hier nichtt in das Detail gehen möchte, dies hier ist keine Anleitung zum Nachbau.

Im Grunde habe ich mir alle Teile die ich drucken wollte im entsprechenden Tool zunächst angesehen. Die erste Frage dabei ist immer ob der 3D Drucker es so direkt ausdrucken kann. Dann habe ich geprüft ob es zu groß oder etwa zu filigran ist.
Die Druckzeit spielt bei so einem Projekt natürlich auch eine Rolle - so kann es eine schnell passieren das große Druckstücke selbst bei einer Innenfüllung von maximal 15 % trotzdem 8-10 Stunden drucken würden. Hier kann man aber durch geschicktes zerschneiden des Modells deutlich Zeit sparen oder wenn man das Modell innen Hohl modelliert und nicht als 10x10x10cm Klotz aus Filament. das spart unter Umständen Stunden.

Man muss natürlich Wandstärken und die Erdanziehungskraft beachten denn sonst passiert es einem schnell das man nur noch ein Knäul aus Filament gedruckt bekommt. Das Thema der Überhänge ist etwas mit dem man sich beschäftigen sollte, das habe ich unter anderem dabei gelernt. Allerdings auch das zumindest mein 3D Drucker deutlich extremere Überhänge drucken kann als gedacht.
 
Wenn man dann mit den Oberflächen der Modelle nicht zufrieden ist kann man auch einfaches Sandpapier zum glätten verwenden.
Lücken durch fehlende Passgenauigkeit kann man mit Backpulver und Sekundenkleber schließen - das sieht man im vorherigen Video an den Stellen wo das weiße Material auf dem blauen Material zu sehen ist. Es gibt dazu auch viele alternative Möglichkeiten.

Nachdem dann alle Teile gedruckt waren habe ich diese mehrfach grundiert, das PLA Filament hält die Acrylfarbe nicht sonderlich gut. Zudem füllt die Grundierung weitere Unebenheiten aus.

Danach habe ich begonnen mit den üblichen Techniken - wie beispielsweise dem Stiften von schweren Teilen - alle Teile zusammen zu bauen.

Teile wie den Kopf habe ich dabei mehrmals ausgetauscht und auch mehrmals bemalt - solange bis er mir schlussendlich gefiel.

Weiter fand ich es passend auch originale Gamesworkshop Bits/Teile beziehungsweise anderer Hersteller zu verwenden. Das macht das Gesamtbild der Figur stimmiger, es passt sich besser an die anderen originalen Modelle an.

Und zuletzt ging es um die Bemalung aller Teile.

Ich möchte hier wie gesagt garnicht ins das Detail gehen und eine Anleitung schreiben wie man genau einen Meganaut mit Hilfe eines 3D Druckers baut. Mir geht es darum zu berichten das es geht, das man es tun kann und das man sich nicht von einem Tabletop Miniaturenhersteller einschränken lassen muss wenn man das nicht möchte.

Es gelten dabei natürlich bestehende Copyright und Lizenzen die zu wahren sind - ich erhebe keinerlei Ansprüche auf geschützte Formulierungen, eingetragener Warenzeichen und Namensgebungen dritter.

Ich möchte hier nur das Hobby im Sinne der Suche von Gleichgesinnten verbreiten, ein paar wenige Tipps und Anregungen geben und meine bisherigen Modelle darstellen.

Zuletzt habe ich hier noch ein Video von meiner kleinen Ork Warhammer 40k Armee.


Wer nun also auf die Idee kommt sich ebenfalls dem Tabletop-Hobby anschließen möchte de kann ich nur empfehlen damit einfach anzufangen.
Mir persönlich macht es Spaß, auch wenn ich das Spiel nicht spiele. Für mich zählt nur das kreative gestalten und bemalen, für Brettspiele habe ich meist eh keine Geduld.

Es ist für mich zudem eine sehr gute Alternative zum Job und zu meinen anderen sehr technischen Hobbies, wobei ich trotzdem viel technisches KnowHow und Handwerk dabei verwenden kann. Und was ich immer wieder spannend finde wie man im laufe der Zeit doch an Übung gewinnt und das eigene können verbessern kann.

Hier noch drei Orks die Anfang 2018 entstanden sind, etwa ein Jahr nach dem Start. Üben lohnt sich, wie ich finde.

Orks 2018

Die Techniken beider Bemalung und beim basteln kann man sich übrigens auf Youtube ansehen. Denis von Diced auf Youtube hat hier einige sehr informativ und toll gemacht Videos online gestellt, die alles erklären was man braucht. Was aber nicht bedeutet das man alle diese Infos auswendig können und beherrschen muss um sich im Tabletop-Hobby überhaupt bewegen zu können.

Das wichtigste ist das es einem selbst Spaß macht und man den Weg für sich selbst darin findet, ganz unabhängig und frei von den Vorstellungen anderer. Es ist Euer Hobby und es sollte Euch Spaß machen.

Fangt einfach an!


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Warhammer 40k aus dem 3D Drucker

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